Station 3 - Graumanngelände

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Die Trauner Industrialisierung

Als im Jahre 1830 von Benedikt Pillwein das Werk "Geschichte, Geografie und Statistik des Erzherzogtums Österreich ob der Enns und des Herzogthums Salzburg" erschien hat wohl niemand daran gedacht, dass Traun einmal zur viertgrößten Stadt und zu einem bedeutenden Industriezentrum des Bundeslandes Oberösterreich werden sollte.

Die Herrschaft Traun war damals Verwaltungsmittelpunkt der drei Steuergemeinden Hörsching, Pasching und Traun und umfasste: "20 Dörfer, 424 Häuser, 747 Wohnparteien, 3375 Einwohner, 1 größere Herrschaft, 3 kleinere Dominien, 2 Pfarren und 3 Schulen. Es gab 3 Wundärzte und 3 Hebammen, ferner nebst 2 Bleichern, 1 Bräuer, 13 Fassbindern, 14 Fischern, 1 Hammerschmiede, 11 Leinwebern, 2 Überführern und 1 Ziegelbrenner noch 21 andere Kommerzial- sowie 116 Polizeigewerbe und freie Beschäftigungen." Traun selbst hatte 57 Häuser, 103 Wohnparteien, 469 Einwohner.

Durch zahlreiche Mühlen wurde die Wasserenergie genutzt. Dies war auch ausschlaggebend für die industrielle Entwicklung von Traun. Etwa ab 1830 wurden auf Grund der "kaiserlichen Fabriksprivilegien" zahlreiche Manufakturen und Fabriken in der damaligen Monarchie errichtet. Fast ausschließlich Textilfabriken wählten Traun als Standort (Ausnahme: die Papierfabrik Dr. Franz Feurstein).

Das älteste Unternehmen war die Zeugdruckerei von Johann Hudetz, die auf dem ehemaligen Gelände einer Hammerschmiede errichtet wurde, jedoch bereits 1846 in Konkurs ging. Noch im selben Jahr erwarb die Fa. Enderlin & Toricelli diesen Betrieb; später entstand daraus die Gebrüder Enderlin AG. Die Gründung der Baumwollspinnerei Grimm und Müller, später Fa. Graumann, datiert aus dem Jahr 1841. 1847 wurde in St. Martin die Baumwollfabrik Kubo & Schimak, die spätere Fa. Gabler, gegründet.

Zu diesen drei Unternehmen kamen in der Folge noch die "Schaffwollgespunstfabrik des A. Löcker zu Oedt", die nach einem Niedergang als Wattefabrik wieder in Betrieb genommen werden konnte. Nach der Übernahme durch die Gebrüder Berl wurde schließlich die "Erste oberösterreichische Decken- und Wollkotzenfabrik" daraus. Im Jahre 1865 kaufte Dr. Franz Feurstein von den Eheleuten Peter und Anna-Maria Prummer deren Mühle und nahm 1867 die Produktion von Strohpapier auf. 1875 begann die Firma mit der Erzeugung von Seiden- und billigem Zigarettenpapier.

Durch diese Fabrikgründungen entstand ein vermehrter Bedarf an Arbeitern, der durch die ortsansässige Bevölkerung nicht abgedeckt werden konnte. Fachkräfte, vor allem Weber, holte man aus dem damaligen Kronland Böhmen, aber auch aus der Schweiz und teilweise aus Italien. Nachkommen dieser Arbeiter leben heute noch in Traun.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer weiteren Industrialisierung, die heute noch anhält.

Geschichte der Graumann-Fabrik

Der Gründer der Firma Graumann begann als armer Webergeselle, der 1821 in Wien das Meisterrecht erwarb, um dann in und um Wien sowie in Böhmen eine Reihe von Textilfabriken zu gründen. Sein Sohn kaufte in Traun die um 1840 gegründete Spinnerei Grimm und Müller, die infolge der Textilkrise in Konkurs gegangen war und errichtete 1869 ein neues Farbrikgebäude.Ursprünglich gab es nur eine kleine Spinnerei, bald jedoch kam eine Weberei hinzu. Durch Heirat wurde die Familie Lang Eigentümer der Firma Graumann, deren Nachkommen bis heute Besitzer sind.

1914 war die Fa. Graumann die zweitgrößte Baumwollweberei in Oberösterreich. Während des Ersten Weltkrieges kam es zu einem großen Aufschwung, dieser wurde jedoch durch den Rohstoff- und Facharbeitermangel wieder eingebremst.

Mit Ersatzstoffen konnte ein sehr eingeschränkter Betrieb aufrecht erhalten werden. Gegen Ende des Krieges - vor allem ab 1917 - kam es auch wegen Kohlemangels zu weiteren Produktionseinschränkungen. Diese Krise setzte sich auch nach dem Ersten Weltkrieg fort. Wichtige Absatzgebiete waren durch die Auflösung der Monarchie verloren gegangen.

Ab 1926 setzte eine gewisse Erholung ein, doch wurde dieser Aufschwung durch die Weltwirtschaftskrise 1929 wieder zunichte gemacht. Teile der Produktionsanlagen, wie die Spinnerei, mussten stillgelegt und Mitarbeiter entlassen werden. 1936 waren bei Graumann noch 330 Personen beschäftigt, 1937 hingegen nur mehr 95. 1938 erlebte die Firma einen kurzen Aufschwung, ab 1942 sank die Produktion wieder ab.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es wiederum aufwärts, jedoch musste die Firma in den sechziger Jahren vor allem wegen der Textilkrise endgültig den Betrieb einstellen. Die Fabrikanlagen wurden dann an eine Reihe von Mittel- und Kleinbetrieben vermietet. Die Produkte der Fa. Graumann waren vor allem Popeline, feine Hemden- und Kleiderstoffe, Frottee- und Chenillewaren, die auch in die USA und nach England exportiert wurden. Zu den Kunden zählte auch das englische Königshaus.

Die Geschichte der Firma Dr. Franz Feurstein

Auch für die Entstehung der Fa. Dr. Franz Feurstein KG war die vorhandene Wasserkraft ausschlaggebend. 1865 kaufte der Leibarzt des Herzogs von Cumberland, Dr. Franz Feurstein, vom Ehepaar Peter und Anna-Maria Prummer deren Mühle um 15.000 Gulden. Bereits ein Jahr später wurde die Firma Dr. Franz Feurstein ins Handelsregister eingetragen und schon 1867 konnte die Produktion von Strohpapier aufgenommen werden. Die Erzeugung von Seiden- und billigem Zigarettenpapier erfolgte ab 1875.

1896 wurde das Hadernhalbstoffwerk in Betrieb genommen. Durch unermüdliche Arbeit konnte die Erzeugung von hochwertigen, dünngrammigen Hadernpapieren verwirklicht werden. Damit war der Anfang zur Erzeugung hochwertiger Zigaretten- und Spezialpapiere gesetzt. Die Jahresproduktion des Werkes betrug um die Jahrhundertwende ca. 300 Tonnen.

Robert Trierenberg, der 1886 aus Schlesien nach Innerösterreich einwanderte und einen Großhandel mit Zellulose betrieb, sowie die Brüder Sigmund, Adolf und Gottlieb Mahler, die in Kemmelbach bei Ybbs (NÖ) einen Hadernhandel betrieben, kauften 1903 von der Witwe Feurstein den Betrieb. Schon damals setzte sich bei den Eigentümern die Erkenntnis durch, dass eine kleine Papierfabrik nur durch Spezialisierung ihres Erzeugungsprogramms auf Dauer bestehen könne. Diese Maxime wird bis heute konsequent weiter verfolgt.

In den folgenden Jahren kam es zu weiteren Aus- und Umbauten des Betriebes. Dank laufender Ausweitung und Modernisierung bis zum heutigen Tage, hat die Firma Weltgeltung erlangt.

Die Geschichte der Firma Enderlin

Genauso wie die anderen Fabriken von Traun entstand auch die spätere Fa. Enderlin dank der vorhandenen Wasserkraft. In diesem Fall war das eine durch Wasser betriebene Hammerschmiede. Dieser bereits 1787 urkundlich erwähnte Betrieb im Besitz von Franz Schreckenfuchs befand sich am linken Ufer des Mühlbaches, südwärts des noch bestehenden ehemaligen Hauptgebäudes der Fa. Enderlin (heute Wohnhaus der Fa. Gschiel). Die schon erwähnte Hammerschmiede war 1805 im Eigentum von Thomas Leithner und ab 1825 von Johann Eidenberger.

Johann Hudetz war 1830 Inhaber der Zeugdruckerei, die ausschließlich Handdruckwaren herstellte. Die Firma führte die Bezeichnung Lein-, Baum- und Schafwollfabrik. 1843 wurde in Linz eine Warenniederlage errichtet, es dürften ca. 200 Personen dort gearbeitet haben. Hudetz musste jedoch 1844 Konkurs anmelden.

1855 führte die Firma die Bezeichnung "k.k. privilegierte Druckfabrik Enderlin und Toricelli", ab 1863 "Gebrüder Enderlin, k.k. landesprivilegierte Druckfabrik". Gesellschafter waren Ludwig und David Enderlin, beide in Lugano (Schweiz), Josef Enderlin in Wien und Jakob Enderlin in Traun. Unter den neuen Eigentümern erfuhr die Fabrik einen großen Aufschwung: Facharbeiter zogen aus der Schweiz zu und 1851 wurde die angrenzende "Grießlermühle" gekauft und im Ringgebäude des Schlosses wurden Arbeiterwohnungen errichtet. Es kam zu Anbauten an die Färberei sowie Errichtung von Remisen für Holz und Kohle. Das Druckgebäude erfuhr eine Aufstockung und Neubauten wurden angefügt.

Als im Sommer 1879 die Hofmühle (heute Fa. Gruber & Kaja) und einige Nachbarhäuser abbrannten, erwarb die Fa. Enderlin die Brandstatt, errichtete eine moderne mechanische Weberei auf diesem Grundstück und vergrößerte sie dann laufend. 1883 wurde mit dem Bau eines Ölgaswerkes begonnen. Das Leuchtgas, aus Paraffinöl gewonnen, diente zur Beleuchtung der Fabrikräume und für die Sengmaschine; später verwendete man Acetylen.

1907 betrug die Produktionsmenge 10 Millionen Meter Baumwollstoff, zumeist für die Erzeugung von "Blaudruck" bestimmt.

In der Druckfabrik waren 400 und in der Weberei 150 Arbeiter beschäftigt. Die schutztechnischen Maßnahmen wurden mit größter Sorgfalt durchgeführt und es gab viele Wohlfahrtseinrichtungen für die Bediensteten. Die Firma verfügte über 14 Wohnhäuser, 1925 waren es bereits 29, mit gesunden und günstigen Wohnungen für Beamte und Arbeiter. Ferner gab es eine Konsumgenossenschaft (vor 1900 gegründet), ein Kinderheim (Kindergarten seit 1895, an dem die Firma mit drei Siebentel der Kosten beteiligt war) und einen Pensionsfond für erwerbsunfähig gewordene Arbeiter. 1900 erfolgte die Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 2 Millionen Kronen (heute ca. 150 Millionen Schilling). Die Rohstoffknappheit im Ersten Weltkrieg hatte den ersten Niedergang des Betriebes zur Folge.

1925 arbeitete die Fabrik wieder mit vollen Kräften, allerdings angepasst an die geänderte politische und wirtschaftliche Lage. Der Maschinenpark war modernisiert worden. Welche Bedeutung die Firma Enderlin für Traun hatte, zeigt die Tatsache, dass von ca. 5000 Trauner Einwohnern etwa 1000 bei Enderlin beschäftigt waren. Doch trotz aller Modernisierungen und Neuerungen war die Gesamtanlage des Werkes veraltet. Die Fabrikobjekte, teilweise ungünstig situiert, bedingten lange innerbetriebliche Wege und somit eine Steigerung der Produktionskosten.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 erzwang für das Werk Produktionseinschränkungen und damit Kündigungen von Mitarbeitern. 1932 wurde die Färberei noch umgebaut und modernisiert, die Produktion war jedoch nicht mehr konkurrenzfähig. Mittlerweile war die Creditanstalt, die auch noch andere Textilfabriken besaß, Hauptaktionär geworden. 1934 musste die Druckerei stillgelegt und mit dem Abverkauf der Maschinen und des Areals durch Artur Diamant begonnen werden. 1939 erwarb die Fa. Enenkel das Gelände der ehemaligen Druckerei und Färberei und errichtete eine Essigerzeugung. Andere Objekte kauften in späteren Jahren die Fa. Augsten (später Tautermann), Fa. Waiss & Freytag, Fa. Mayreder, Krauss & Co, Fa. Bürstinger (heute Morawa & Co), Baumeister Wilhelm Lang und Fa. Gruber & Kaja. Weiter in Betrieb blieb nur noch die modernisierte und automatisierte Weberei (6-Stuhl-System, d.h. ein Weber bediente 6 Webstühle), die hauptsächlich Zellwolle verarbeitete.

In die Hallen der 1942 stillgelegten Weberei zog 1943 das von Deutschland nach Traun verlegte "Oswaldwerk" ein, das Bestandteile für Panzer herstellte. 1946 übersiedelte diese Firma nach St. Martin und die Fa. Enderlin nahm den Betrieb mit alten Webstühlen wieder auf; 1955 wurde die Firma endgültig aufgelöst.

Die Liegenschaft der Weberei und andere Grundstücke erwarb dann die heute noch bestehende Druck- und Metallwarenfabrik Gruber & Kaja.